#30 Kaikoura – Der Abschied

Für unsere letzten Tage in Neuseeland wählten wir nach langem Überlegen und besorgten Blicken auf den (schlechten) Wetterbericht die Stadt Kaikoura. Kaikoura liegt an der Nordostküste, knapp zwei Stunden nördlich von Christchurch, von wo aus wir wieder zurück fliegen. Nachdem wir uns in Hokitika von allen Bewohnern und Haustieren verabschiedet haben – insbesondere das Zurücklassen der drei süßen Katzen viel uns schwer – überquerten wir nun schon zum zweiten Mal die Insel. Dabei fuhren wir über den Arthurs Pass, einem Gebirgspass im Norden des Mount Cook. Wobei für uns, die wir in den Alpen aufgewachsen sind, der Begriff „Pass“ ein bisschen irreführend ist. Es gibt zwar ein paar steilere Abschnitte und ein oder zwei Serpentinen, aber das wars dann auch. Dafür gibt es umso mehr Kurven, die das Vorankommen stark verlangsamen, sodass man für 400 Kilometer Strecke schon mal sechseinhalb Stunden braucht. Auf unserer Fahrt durchquerten wir Springfield, wo wir natürlich ein Foto mit Homers Donut machen mussten. Passend dazu konnten wir beim Stand nebenan frische Donuts kaufen, die uns die Weiterfahrt versüßten 🙂

Für unseren Aufenthalt in Kaikoura hatten wir keine Pläne, da wir aufgrund der wirklich schlechten Wettervorhersagen vorsichtig waren. Wir hatten hier ein Cottage bei Judy gebucht, einer entzückenden älteren Dame, die neben zwei Cottages auch mehrere Zimmer vermietet. Sie erzählte uns, dass sie früher bei einer Whale Watching Firma gearbeitet hätte und dies wärmstens empfehlen konnte. Die Stadt lebte im 19. und 20. Jahrhundert vom Walfang, der letzte Wal wurde hier 1964 getötet. Hier vor der Küste tummeln sich das ganze Jahr über mehrere junge Pottwale. Grund dafür ist die besondere Topographie: direkt vor der Küste fällt der Meeresgrund steil ab, der Unterwassercanyon erreicht eine Tiefe von mehr als eineinhalb Kilometern. Hier leben viele Riesenkalamare, die wiederum die bevorzugte Nahrung der Pottwale sind. Die vorwiegend männlichen Tiere leben in den ersten Jahren mit ihrer Mutter in Äquatornähe, bevor sie sich allein auf die Wanderschaft hierher machen. Hier leben sie einige Jahre, fressen sich satt und genießen ihre Jugend, bevor sie sich im Alter von 40 – 50 Jahren ein Weibchen suchen. Die Anbieter von Walbesichtigungstouren werben mit einer Chance von 95%, einen Wal zu sehen, andernfalls bekommt man 80% des Ticketpreises zurückerstattet.

Am nächsten Tag ging es also für uns aufs Boot, aufgrund des spontanen Kaufs waren nur mehr Tickets um 7:15 Uhr morgens zu haben, was mein Frühaufsteherherz erfreute….

Beim Abholen der vorab gebuchten Tickets vom Schalter wurden wir auf den hohen Wellengang und die hohe Wahrscheinlichkeit von Seekrankheit hingewiesen. Praktischerweise wurden am Nebenschalter allerlei pflanzliche und pharmakologische Mittelchen zur Bekämpfung derselben angeboten, wo ich mich gerne eindeckte. Im Nachhinein betrachtet bin ich darüber sehr froh. Auch wenn das Meer draußen ruhig wirkte, waren die Wellen drei bis vier Meter hoch und brachten das Boot anständig ins Schaukeln. Nach einer kurzen Fahrt stoppten wir und der Kapitän hielt ein Unterwassermikrofon ins Wasser. Dieses kann die Klicklaute, die der Pottwal als Echolot verwendet, wahrnehmen. Mithilfe der Klicklaute wusste der Kapitän ungefähr, in welcher Richtung sich der Wal befand und wir fuhren mehrmals ein kleines Stück, bis wir ihn endlich sahen!

Erst sah man nur eine Wasser-Luft-Fontäne, dann den braun-nass glänzenden, gewaltigen Körper des Tieres. Man sieht nur einen kleinen Teil des Kopfes und der Rückenflosse, wie uns auf einer Grafik gezeigt wurde. 80-90% des Tieres sind im Wasser. Was wir gesehen haben war riesig, mit einem großen Baumstamm vergleichbar, und doch war es nur ein kleiner Teil des gewaltigen Tieres. Nach 10-15 Minuten an unserer Seite entschloss er sich, wieder abzutauchen und präsentierte und dabei seine Schwanzflosse. Anhand eines kleinen Loches in der Flosse konnte unsere Naturführerin ihn als Holey Moley identifizieren. Das Tier ist 2006 erstmals in der Gegend gesichtet worden. Bei der damaligen Vermessung mit einer Drohne war er 14,45 Meter lang, heute ist es vermutlich etwas mehr. Ein unglaubliches Erlebnis!

Auf unserem Weg zurück kamen wir an einer Gruppe Dusky Delfine vorbei. Die entzückenden Tiere sprangen um uns herum wie wild aus dem Wasser und vollführten Saltos und Drehungen, wie kleine Akrobaten. Auch Baby-Delfine in Begleitung ihrer Mütter schwammen munter neben unserem Boot her. Warum diese Delfinart solche Sprünge vollführt, ist laut Wissenschaft nicht geklärt. Wenn man ihnen so zusah, könnte man meinen, sie machen es einfach aus Spaß 🙂 Insgesamt waren es bestimmt hundert Delfine, die uns einen Teil unseres Weges begleiteten.

Am Tag nach diesem einmaligen Erlebnis entschlossen wir uns zu einem kleinen Abschlussspaziergang auf der Halbinsel direkt vor der Stadt. Hier konnten wir uns nochmal in aller Ruhe von diesem unglaublich schönen Land und seiner spannenden Tierwelt verabschieden. Der Hinweg führte über die Klippen mit Blick auf das Hinterland auf der einen und das Meer auf der anderen Seite. Der Rückweg führte dann am Fuß der Steilküste über die Felsen zurück, wo sich neben und hunderte Vögel und zig Robben tummelten, die wir stundenlang beobachtet haben. Die kleinen Vögelchen haben sich Schneckenhäuser geschnappt und diese solange mit Schwung auf den Boden geworfen, bis das Haus zerbrochen ist und die Beute freilag.

Am Strand fanden wir tausende Schneckenhäuser, aber auch Muscheln, die der gefräßigen Vogelschar zum Opfer gefallen sind. Teilweise finden sich zwischen den Felsen auch tote, halbverweste Robben. Ob diese durch Kämpfe untereinander oder durch einen Aufprall an den Felsen beim Sturm gestorben sind, wissen wir leider nicht. Der Ort unterhalb der Felsen strahlte eine unglaubliche Ruhe aus, mit den toten Tieren erinnerte es uns an die Stimmung auf einen Friedhof. Morbide, aber gleichzeitig unglaublich friedlich.

Diese tollen Stunden am Strand waren leider gleichzeitig unsere letzten am Meer. Wir sind nun wieder in Christchurch, morgen früh fliegen wir. Daniel fliegt wieder nach Hause, ich bleibe noch ein paar Wochen in Thailand, bevor es vor Weihnachten nach Hause geht. Wir danken allen, die uns hier auf unserer Reise begleitet haben, sich mit uns gefreut haben und wir freuen uns, wenn jemand unsere Berichte als Inspiration für eine eigene Reise nutzt! In diesem Sinne:

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